Monday, July 9

Kursbericht Philosophie

Vorwort: Dieser Kursbericht diente als letzte & freiwillige Möglichkeit seine Note um 1-2 Punkte zu verbessern. Wir hatten seit Donnerstag Zeit und ich habe, typisch für mich, erst heute angefangen, weil mir davor wirklich 0 einfiel und ich noch mit meiner Physik GFS beschäftigt war. Habe ihn jetzt mal veröffentlicht, weil mich jemand bei FS gebeten hat wieder was zu posten. gepostet habe ich jetzt. Die Tatsache, dass es totlangweilig ist, ist eure Sache haha :D Es sind 1.518 Wörter. Dagegen hört sich meine Physik GFS mit 1.864 Wörtern richtig kurz an, zumal ich in diese mehrere Wochen gesteckt hab lol. Bei meiner Bio GFS mit 2.720 Wörtern hört sichs wieder anders an haha.
Für jeden geeignet, der vor Nichtstun noch verzweifelt | sich für das Fach Philosophie interessiert  oder sich  überlegt, das Fach als Orchideenfach in der Oberstufe zu wählen: Hier ein "kurzer" Einblick. In dem Kursbericht greife ich einige Themen auf, die wir über die zwei Halbjahre behandelt haben und gebe meine Eindrücke vom Unterricht wider. Er ist deshalb sehr subjektiv (!) und der Unterricht kann von Lehrer zu Lehrer und Schule zu Schule stark variieren. Schraubt eure Erwartungen an das Fach aufgrund meines Berichts also nicht zu hoch bzw. runter :)


Donnerstag, 10. und 11. Stunde. Es beginnt mit dem Treppenlaufen in den 500er Stock, das jeden Unsportlichen wie mich außer Atem bringt. Im Klassenzimmer angekommen, klingelt es um 15.35 Uhr, Herr Miller tritt herein – die Philosophiestunde beginnt.
In der ersten Philosophiestunde haben wir uns Gedanken darüber gemacht, was einen Philosoph ausmacht.
Der Philosoph ist offen, neu- und wissbegierig, hat einen eigenen Standpunkt und ist nicht leicht zu manipulieren. Charakteristisch für ihn ist seine provokante Art, aber auch seine Lebenserfahrung und Weisheit. Er hinterfragt vieles, geht – wie wir am Beispiel Sokrates gelernt haben – auf andere zu und regt sie zum Nachdenken an. Der Philosoph ist interessiert am Menschen uns sein Wesen, und auf der Suche nach Ursachen, Gründen, Sinn und Erkenntnis.
So haben auch wir uns in den folgenden Monaten mit dem menschlichen Wesen beschäftigt. So haben wir zwei philosophische Techniken gelernt, und zwar die Essentialistische Begriffsbestimmung, das heißt dass der Mensch ein „animal rationale“ und ein Vernunftswesen ist, und die Dialektische Begriffsbestimmung, die den Menschen durch seine Stellung zwischen gegensätzlichen Eigenschaften oder Dingen definiert, beispielsweise seine Stellung zwischen Freiheit und Zwang. Zudem haben wir gelernt, dass sich der Mensch sowohl am Inneren, also seiner selbst, als auch am Äußeren, zum Beispiel an den Meinungen anderer, orientiert. Der Mensch motiviert sich für sein (moralisches Handeln) oft durch den Wunsch nach Anerkennung und die Angst vor „Strafe“.
Auch ein Gedankenexperiment wurde durchgeführt. Wir haben uns selbst die Frage gestellt, was wir alles machen würden, wenn wir für einen Tag eine Art „Tarnkappe“ tragen würden, die uns unsichtbar macht. Anfangs waren viele der Meinung, dass jeder etwas Unmoralisches anstellen würde, da man diese Chance schließlich nur einmal im Leben hat. Und wer es nicht tun würde, ist doof, da jeder Mensch eigentlich ein Egoist ist, der nur dann moralisches handelt, wenn es die Mitmenschen auch mitbekommen. Nach längerem Überlegen aber, sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass moralisches Handeln auch von innen kommen kann und der Mensch ein Gruppenwesen ist und wir die Moral brauchen, um eine Gesellschaft zu festigen.
Was ich besonders gut fand, waren die anschaulichen Tafelaufschriebe, die Herr Miller so oft es geht versucht hat zu verwirklichen. Sie lassen sich leichter einprägen als ein langer Text, übersichtlich und verständlich und sind mir bis jetzt im Kopf geblieben.
Ebenso im Kopf geblieben sind mir die Filme bzw. Filmausschnitte, die wir uns angeschaut haben. Ein Ausschnitt aus der Serie King of Queens hat uns etwas über die moralische Motivation gelehrt, denn der Großteil – sowie auch Carrie von King of Queens – handelt nur dann moralisch, wenn eine Art „win-win-Situation“ da ist, sei es das gute Gefühl, das man nach einer besonders guten Tat bekommt, das Ansehen, das man dadurch bei anderen gewinn, oder weil man durch Spenden an Steuern spart. Ein wirklich guter Mensch ist nach Kant einer, der moralisch handelt, weil in seinen Augen Hilfsbereitschaft Pflicht ist.
Ein weiterer Film, den wir damals angeschaut haben, war Philosophie – Lehre des Sterbens, indem über den Tod diskutiert wurde. Er blieb mir viel mehr aus dem Grund hängen, weil Herr Miller das Klassenzimmer dem Film entsprechend mit schwarzer Tischdecke und mit Kerzen hergerichtet hat, dass eine düstere Wirkung verursachte. Sogar der Tod selbst, personifiziert von Caro, die den Film über ganz in Schwarz gehüllt war, hat im Zimmer nicht gefehlt.
Der Film war ein Einstieg in das Thema „Der Blick der Philosophen auf den Tod“ und „Sartre und der Existentialismus“.
Der Existentialismus besagt, dass der Mensch sich und sein Leben als begrenzte Zeitspanne und als Existenz, die er absolut frei und absolut verantwortlich gestalten kann und muss.
Auch im Philosophieunterricht haben wir uns ab dem zweiten Halbjahr mit Religion, Glaube und Gott beschäftigt. Man sagt, Religionen sind die behaupteten Vermittlungsinstanzen zum Übersinnlichen. Durch heilige Bücher, Rituale, Propheten und die Kirche komme man auf die Ebene übersinnlicher Dinge.
Desweiteren haben wir uns mit den Weltbildern aus den Zeiten der Antike, des Mittelalters, der Renaissance und der Postmoderne beschäftigt. Im Mittelalter zum Beispiel hatte der Mensch keine Möglichkeit zur Selbstvervollkommnung.
Die Religion und der Glaube an Gott standen im Vorder- und das menschliche Individuum im Hintergrund. Man sah alles „unter dem Blickwinkel der Ewigkeit“ (sub specie aeternitatis). Dies änderte sich in der Renaissance zu Zeiten René Descartes. Es kam zu einem Umschwung in der Gesellschaft. Es wurde weniger auf die Kirche vertraut, mehr hinterfragt und der Mensch selbst trat wieder in den Mittelpunkt. Neben der Philosophie schritten auch andere Wissenschaften voran und man entfernte sich von theologischen Bezügen.
Eine sehr interessante Philosophiestunde war die, in der wir uns damit beschäftigt haben, ob jeder Mensch egoistisch ist. Es gab ein argumentatives Streitgespräch zwischen den zwei verschiedenen Standpunkten. Denn auf der einen Seite gibt es viele Belege dafür, dass die Menschen immer egoistischer werden, denn die Anzahl an Einzelhaushalte steigt stetig, viele ziehen ihre Karriere der Familiengründung vor oder versuchen mithilfe von Castingshows Aufmerksamkeit zu bekommen, da sie auf der Suche nach „dem maximalen Selbst sind“. Auf der anderen Seite aber gibt es viele Beispiele, die zeigen, dass nicht jeder Mensch egoistisch ist, beispielsweise Menschen, die ihr eigenes Leben für andere opfern würden oder die nach dem Abitur ein freies soziales Jahr machen, wobei man bei letzteres auch nicht weiß, ob es manche nur tun, da sie ihre Zeit überbrücken wollen, während sie nach einem geeigneten Studiums- und Ausbildungsplatz suchen bzw. warten.
Schließlich sind wir aber zu dem Entschluss gekommen, dass es ungerecht ist, dem modernen Menschen Egoismus vorzuwerfen. Denn wir haben heutzutage so große Entscheidungsspielräume, dass wir vieles für uns klären und uns immer mehr mit uns selbst und unseren Positionen beschäftigen müssen.

In der letzten Stunde sollten wir drei Ziele aufschreiben, die uns in den Sinn kommen.
-       Ich möchte ein gutes Abitur schreiben
-       Ich möchte abnehmen
-       Ich möchte einmal eine Familie gründen
waren meine formulierten Ziele. Schlecht formuliert, laut Herr Miller. Sie klängen eher wie ein Wunsch als wie ein Ziel. Ziele müssen konkrete Angaben enthalten und statt ein bestimmtes Ergebnis soll es lieber meine eigenen Handlungen betreffen, denn die sind messbar und die kann ich selbst steuern. Vermeiden sollte man außerdem negativ formulierte Ziele. Demgemäß wären meine Ziele richtig formuliert z.B.: „Ich werde jeden Tag abwechselnd 2 Stunden Mathe, Deutsch, Englisch und Wirtschaft (da dies meine Abitursprüfungsfächer sein werden) lernen, um ein möglichst gutes Abitur zu schreiben“ und „Ich gehe jeden zweiten Tag eine Stunde joggen, um Gewicht zu verlieren“.
Das Ziel einer Familie zu gründen, lässt sich so nicht als Ziel aufstellen, da dies unvorhersehbar ist.
Ich fand die Stunde sehr interessant, da ich eine Person bin, die zu jedem neuen Kalender-, Lebens- und Schuljahrbeginn eine To-Do-List aufstellt, mit Dingen, die sie bis zum Jahresende erledigt und verändert haben will. Bis jetzt blieb ich immer erfolglos, da die Ziele genau so aufgelistet waren, wie sie – wie ich jetzt weiß – „am falschesten“ sind. In einigen Wochen sind Sommerferien und nicht lange, dann beginnt auch das letzte Schuljahr für mich. Philosophieunterricht habe ich dann nicht mehr, aber ich weiß dann jedenfalls wie ich meine Ziele für die 12. Klasse so formuliere, dass ich sie wahrscheinlich besser und leichter umsetze, als die Jahre davor.
Das Fach Philosophie ist kein gewöhnliches Fach. So war auch die Weise, wie es unterrichtet wurde, nicht „normal“ und gewöhnlich. Oftmals waren Gruppenarbeiten sinnvoller als Frontalunterricht und Schaubilder verständlicher als Textaufschriebe. Herr Miller ging spielerisch an den Unterrichtsstoff heran, um die Philosophie für uns so interessant wie möglich zu gestalten.
An sonnigen Nachmittagen durften wir auch draußen sitzen und einmal übten wir sogar „philosophisches Spazierengehen“ aus. Manchmal gab es auch erst einmal eine lange Diskussion, in denen verschiedene Meinungen ausgetauscht wurden, bevor wir uns auf einen gemeinsamen Standpunkt festlegten.
Die Stimmung im Kurs war immer harmonisch. Wir waren nicht unter Druck, zumal es auch nur ein Orchideenfach ist und wir es, falls die Endnote nicht so gut ausfällt, noch ausklammern können. Der Philosophieunterricht konnte auch als Ausgleich und Entspannung zu anspruchsvollen Fächern wie Mathe und Deutsch gesehen werden. Mir persönlich lag es aber schlecht im Stundenplan, da ich am Donnerstag immer bis zu drei Stunden Mittagspause, also von 13 Uhr bis 15.35 Uhr, und auch schon davor von 9.20 Uhr bis 11.10 Uhr Freistunden habe. So fiel es mir manchmal schwer wieder in den „Schul-Modus“ reinzukommen, wenn ich schon im „Schule aus/Nachmittags-Modus“ war.
Ich selbst habe zum Philosophieunterricht nicht wirklich viel beigetragen. Die Themen haben mich zwar immer interessiert, aber ich bin generell nicht jemand, der sich bei jeder Sache gleich meldet und bei Philosophie fand ich es besonders schwer, da es dort – wie z.B. auch in Deutsch oder Ethik – in den meisten Dingen kein richtig oder falsch gibt. Für viele fällt es, eben weil es kein richtig und falsch gibt, leichter mündlich mitzumachen, bei mir ist es aber genau anders herum. Und geärgert habe ich mich dann, wenn ich bei einer Frage etwas Bestimmtes im Kopf hatte, mich aber nicht gemeldet habe und jemand eine Minute später exakt das gesagt, was ich mich nicht getraut hab zu sagen.
Insgesamt hat mir der Philosophieunterricht dennoch Spaß gemacht, ich habe viel gelernt, und ich würde ihn, wenn ich wieder unter der Entscheidung stünde, wieder wählen.

1 comment:

  1. Puh, habs geschafft hahaha. :D
    Insgesamt fand ich den Text sehr gut geschrieben und unterhaltsam :P
    Ich stimme dir bei der Aussage mit dem melden vollkommen zu, weil ich das nur zu gut bei mir selbst kennen.
    Wie viele Punkte hast du bekommen? :o
    xx ♥

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